Neues aus Oderland


9.200 Beschäftigte im Raum Uckermark-Barnim haben „Job auf Zeit“

Die Uhr läuft: Befristete Jobs sind gerade unter Berufsstartern verbreitet. Das soll sich ändern,<br />fordert die IG BAU. Die Gewerkschaft ruft die Bundesregierung auf, Zeitverträge gesetzlich<br />zurückzudrängen.
Die Uhr läuft: Befristete Jobs sind gerade unter Berufsstartern verbreitet. Das soll sich ändern,
fordert die IG BAU. Die Gewerkschaft ruft die Bundesregierung auf, Zeitverträge gesetzlich
zurückzudrängen.
11.06.2019
Ihr Job hat ein Verfallsdatum – und das oft ohne jeden Grund: Trotz guter Lage am
Arbeitsmarkt haben in Frankfurt (Oder) noch immer zu viele Menschen nur einen
befristeten Job. Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Gewerkschaft
verweist dabei auf aktuelle Zahlen aus dem Mikrozensus. Danach haben derzeit rund
9.200 Beschäftigte im Raum Uckermark-Barnim einen befristeten Arbeitsvertrag. Das
sind 6,4 Prozent aller Arbeitnehmer in der Region. „Es kann nicht sein, dass Unternehmer
trotz der guten Lage am Arbeitsmarkt weiterhin so stark auf Befristungen setzen. Die
Bundesregierung muss jetzt mit ihrem Versprechen Ernst machen und Zeitverträge per
Gesetz eindämmen“, fordert Astrid Gehrke von der IG BAU Oderland.

Anders als bei einer Schwangerschaftsvertretung oder einer Probezeit gibt es nach
Beobachtung der Gewerkschaft häufig keine zwingenden Gründe für eine Befristung.
„Gerade Berufsanfänger werden gern mit einem Job auf Zeit abgespeist. Sie müssen sich
von Stelle zu Stelle hangeln“, kritisiert Gehrke. Nach Angaben des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren im vergangenen Jahr bundesweit
38 Prozent aller Neueinstellungen befristet.
„Wer als Berufsstarter eine Familie gründen oder einen Kredit für die eigene Wohnung
oder fürs Auto bekommen will, der braucht keine Zitterpartie, sondern einen sicheren
Job“, so die IG BAU-Bezirksvorsitzende. Die Gebäudereinigung zähle zu den Branchen,
in denen Befristungen besonders verbreitet seien. Gerade Frauen litten hier unter
wackeligen Arbeitsverhältnissen. „Statt des Prinzips Heuern und Feuern braucht es eine
verlässliche Personalplanung“, so Gehrke weiter.
In ihrem Koalitionsvertrag haben Union und SPD festgeschrieben, Befristungen ohne
konkreten Sachgrund – wie etwa eine Elternzeitvertretung – einzudämmen. In Betrieben
mit mehr als 75 Beschäftigten sollen solche Zeitverträge demnach künftig auf maximal
2,5 Prozent der Belegschaft begrenzt werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil
(SPD) will dazu noch vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen. Bislang ist
die Befristung eines Arbeitsvertrages ohne sachlichen Grund prinzipiell bis zu zwei Jahre
lang erlaubt. In diesem Zeitraum kann ein befristeter Arbeitsvertrag in der Regel maximal
dreimal verlängert werden.

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