Neues aus Oderland


Gebäudereinigerinnen wehren sich gegen Griff ins Portemonnaie

Müssen ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen: Reinigungskräfte. Wer nur einen Teilzeitjob hat, soll<br />künftig keinen Zuschlag bei Überstunden bekommen. So wollen es die Arbeitgeber. Die Gebäudereiniger-<br />Gewerkschaft IG BAU hält dagegen: „Das ist der Griff ins Portemonnaie von Menschen, die hart arbeiten<br />und ohnehin wenig verdienen.“
Müssen ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen: Reinigungskräfte. Wer nur einen Teilzeitjob hat, soll
künftig keinen Zuschlag bei Überstunden bekommen. So wollen es die Arbeitgeber. Die Gebäudereiniger-
Gewerkschaft IG BAU hält dagegen: „Das ist der Griff ins Portemonnaie von Menschen, die hart arbeiten
und ohnehin wenig verdienen.“
16.05.2019
Von der Arbeitszeit bis zu den Urlaubstagen – alles geregelt. Bislang jedenfalls. Jetzt aber
wird der Job für die insgesamt 920 Reinigungskräfte im Landkreis Barnim zur
„Wackelpartie“.

Denn die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt. Die
Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU kritisiert das scharf: „Die Reinigungskräfte hängen
damit völlig in der Luft. Die 55 Reinigungsfirmen im Kreis Barnim können ihnen quasi
freihändig Urlaubstage streichen und zusätzliche Arbeitszeiten aufs Auge drücken“, sagt die
Bezirksvorsitzende der IG BAU Oderland, Astrid Gehrke. Die Kündigung des
Manteltarifvertrages sei „eine Provokation und ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten,
die in der Gebäudereinigung arbeiten“.
Die IG BAU nennt die Hintergründe: „Die Arbeitgeber wollen bei den Überstunden Geld
sparen – insbesondere bei Teilzeitkräften. Dahinter steckt also der pure ‚Lohn-Geiz‘“, so
Gehrke. Denn der bisherige Rahmentarifvertrag sehe bei Mehrarbeit für Vollzeit-
Beschäftigte einen Zuschlag von 25 Prozent des Stundenlohns vor. Nachdem das
Bundesarbeitsgericht nun entschieden habe, dass auch Teilzeit-Beschäftigte Anspruch auf
diesen Zuschlag haben, sei die Absicht der Arbeitgeber klar: „Sie wollen bei den
Zuschlägen knapsen. Genau genommen ist das der Griff ins Portemonnaie von
Teilzeitkräften. Es trifft also die Menschen, die ohnehin schon wenig haben und extrem hart
für ihr Geld arbeiten müssen“, sagt Astrid Gehrke verärgert.
Überstunden seien in der Gebäudereinigung an der Tagesordnung – und Teilzeitjobs gang
und gäbe: Im Kreis Barnim arbeiten 740 Gebäudereinigerinnen und Fensterputzer in
Teilzeit, 165 davon lediglich mit einem Minijob.
Zwischen Gebäudereiniger-Gewerkschaft und Bundesinnungsverband rumort es seit
langem, so die IG BAU Oderland. „Die Arbeitgeber weigern sich seit Monaten beharrlich,
über bessere Arbeitsbedingungen in der Branche zu verhandeln. – Und das sogar bei
steigenden Jahresumsätzen von bundesweit zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro“, so Astrid
Gehrke. Nach der Kündigung des Rahmentarifvertrags erwartet die IG BAU Oderland nun
„extremen Unmut unter den Beschäftigten – auch im Landkreis Barnim“.
Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft pocht beim Bundesinnungsverband schon lange
darauf, konstruktive Gespräche zu führen: „Die Beschäftigten verlangen mehr Anerkennung
für ihre harte Arbeit. Dazu gehört auch, dass Fachkräfte richtig bezahlt, Berufserfahrung
honoriert und die Aufstiegschancen verbessert werden – genauso wie die generelle
Einführung von Weihnachtsgeld“, so Gehrke.
Außerdem müssten die belohnt werden, die der Gebäudereinigung über Jahre hinweg die
Treue halten. Wer sich durch langjährige Arbeit in der Branche einen Urlaubsanspruch von
30 Tagen erworben habe, der soll ihn auch dann behalten, wenn der Arbeitgeber einmal
wechsele, fordert die IG BAU. Nur so lasse sich die hohe Fluktuation durch das Abwandern
von Fachkräften und damit der Verlust von Branchen-Know-how stoppen.
„Die Arbeitgeber haben dies aber bislang strikt abgelehnt. Sie erkennen nicht, wie wichtig
es ist, die Jobs in der Reinigung deutlich attraktiver zu machen“, sagt Astrid Gehrke. Im
Gegenteil: Durch die Kündigung des Rahmentarifvertrags verschlechtere sich die Stimmung
im Gebäudereiniger-Handwerk jetzt erst richtig. „Die Unternehmer riskieren viel. Sie sägen
am eigenen Ast, indem sie faire Rahmenbedingungen für die Arbeit und damit das
Vertrauen und den Teamgeist aufs Spiel setzen“, so die IG BAU-Bezirksvorsitzende.
Die Friedenspflicht zwischen IG BAU und Innungsverband endet am 31. Juli. „Bis dahin
wird die Wut der Beschäftigten weiter wachsen. Sie werden ihrem Ärger bei betrieblichen
und öffentlichen Aktionen in den nächsten Wochen Luft machen – auch im Kreis Barnim“,
kündigt Gehrke an.

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