Neues aus Oderland


Wald in Not: IG BAU Oderland warnt vor „Dürre-Stress“ und massiven Schäden


Holz-Einschlag: Gerade werden viele Festmeter Nadelholz aus dem Wald geholt. Denn ein
Großteil heimischer Bäume ist wegen Hitze und Trockenheit von Schädlingen befallen.
23.07.2019
Zu trocken, zu warm, zu viele Schädlinge: Ein Großteil der heimischen Nadelbäume ist
nach Einschätzung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Oderland akut bedroht – mit
massiven Folgen für die Forstwirtschaft in der Region. „Nach dem Hitze-Jahr 2018 fehlt
auch in diesem Sommer bislang der nötige Regen. Gerade heimische Kiefern leiden unter
,Dürre-Stress‘. Die Bäume stehen auf meist sandigen Böden und können kaum
Wasservorräte sammeln“, sagt die Bezirksvorsitzende der Forst-Gewerkschaft, Astrid
Gehrke. Die aktuelle Lage sei dabei erst der Anfang. „Der heimische Wald bekommt den
Klimawandel längst zu spüren. Bei Fichten, Kiefern und Tannen geht es langfristig ums
Überleben“, warnt Gehrke.

Nadelbäume machen drei Viertel der rund eine Million Hektar Wald in Berlin und
Brandenburg aus. Das geht aus der letzten Bundeswaldinventur hervor. „70 Prozent der
Bäume in der Region sind Kiefern. Sie sind besonders von der aktuellen Witterung
betroffen“, so Gehrke. Ohne ausreichend Wasser könnten die Bäume kaum Harz bilden,
das sie gegen die Schädlinge schütze, erklärt die Gewerkschafterin. Wegen der Wärme
halte sich der Waldgärtner derzeit etwa vier Generationen lang – statt wie sonst nur zwei.
Geschwächte Bäume seien zugleich anfälliger für Stürme. Nach Beobachtung der IG BAU
Oderland sind mittlerweile sogar junge Bäume vom Borkenkäfer betroffen, obwohl der
Schädling sonst überwiegend ältere Bäume mit dicker Rinde befalle. „Die Ausfälle bei der
Holzernte könnten damit in einigen Jahren massiv sein“, warnt Gehrke.
Wichtig sei jetzt eine neue „Waldstrategie“, um den Forst vor dem Klimawandel zu
schützen. „Wir brauchen eine breite Aufforstung mit den Baumarten, die vor Ort gedeihen.
Dabei müssen private Waldbesitzer und staatliche Forsten noch stärker als bisher auf
Mischwälder setzen. Eine Kiefer, die neben Buchen und Eichen steht, kommt besser mit
Schädlingen zurecht“, so die Gewerkschaft.
Für eine nachhaltige Bewirtschaftung seien aber auch mehr Förster und Waldarbeiter nötig.
„Aktuell rächt sich der jahrzehntelange Personalabbau im Forst. Der Waldumbau ist eine
Mammutaufgabe, für die man qualifizierte und ordentlich bezahlte Fachkräfte braucht. Sie
dürfen in keinem Haushaltsplan fehlen“, fordert die IG BAU.
Zugleich warnt die Umwelt-Gewerkschaft vor einem reinen betriebswirtschaftlichen Blick auf
die Wälder. „Wer nur Gewinninteressen im Sinn hat, setzt eher auf Ein-Baum-Kolonien, mit
denen sich einfacher Geld verdienen lässt. Aber am Ende kommt die Rechnung von der
Natur – nämlich wenn Trockenheit und Schädlinge der Monokultur zusetzen“, so
Gewerkschafterin Gehrke.
Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fielen in den deutschen Wäldern im
vergangenen Jahr mehr als 32 Millionen Kubikmeter „Kalamitätsholz“ an – das ist Holz von
kranken oder beschädigten Bäumen. Zwei Drittel davon gingen auf das Konto des
Borkenkäfers, ein Drittel fiel Stürmen zum Opfer.

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